Ideation Week OWL 2020

Handwerk und Hochschule gestalten gemeinsam die Zukunft regionaler Unternehmen

November 2020. Eine Packstation für Backwaren, ein Brötchen-Fahrrad als neuen Vertriebsweg und die Beteiligung an der virtuellen „Heimatbox“ als Bäckerei: Das sind die konkreten Ergebnisse der Ideation Week 2020. Bei der Ideation Week OWL handelt es sich um ein Bildungsangebot, dass gemeinsam vom Institut für Wissenschaftsdialog (IWD) der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe und der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe entwickelt wurde. Ziel der Veranstaltung ist es, ein global relevantes Thema wie z.B. der Megatrend der Digitalisierung an der unternehmerischen Lebenswirklichkeit in Handwerksbetrieben so zu spiegeln, dass nach fünf Tagen konkrete Lösungsmöglichkeiten und Handlungsempfehlungen für die teilnehmenden Unternehmen entstehen. Die Studierenden der Technischen Hochschule sowie interessierte Schülerinnen und Schüler bekommen während der Veranstaltung die Möglichkeit, ihr in der Theorie erworbenes Wissen in die Praxis umzusetzen.

Die Ideation Week OWL hat sich im Jahr 2020 mit der Zukunftsfähigkeit der Bäckereibetriebe im Spannungsfeld von neuen Geschäftsmodellen und digitalisierten Arbeitsprozessen auseinandergesetzt. Eine Woche lang haben die Studierenden sich intensiv mit den zukünftigen Herausforderungen des Bäckereihandwerks beschäftigt, haben Einblicke in die Arbeitswelt eines Bäckermeisters und die damit verbundenen Aufgaben bekommen, konnten ihre Fragen stellen und haben sich auf diese Weise den verschiedenen Problemstellungen angenähert. Nicht nur im Themenfeld der digitalen Technik sondern auch im Bereich Marketing und Vertrieb stehen die entsprechenden Bäckerei-Betriebe vor großen Herausforderungen, auch das sich teilweise stark verändernde Kundenverhalten und die damit verbundenen Kundenwünsche spielen eine immer größere Rolle. Der Kreativität der Teilnehmenden sind bei der Bearbeitung der einzelnen Fragestellungen keine Grenzen gesetzt.

Die Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe setzt in engem Austausch mit ihren Mitgliedsbetrieben aus den unterschiedlichen Gewerken das Thema für die jährliche Ideation Week OWL. Corona-bedingt wurde die Veranstaltung in diesem Jahr als hybrides Format stärker digitalisiert – inhaltlich lag der Fokus dabei auf der Zukunft des Bäckereihandwerks. Gerade die Herausforderungen der Zukunft liegen Michael H. Lutter, der mit Jahresbeginn 2021 das Amt des Hauptgeschäftsführers der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe übernehmen wird, am Herzen: „Neue Technologien verändern unsere Welt, das stellt vor allem kleine Betriebe vor große Herausforderungen. Die Ideation Week OWL verbindet technologische und innovative Möglichkeiten der Wissenschaft mit der traditionellen Wertschöpfungskompetenz von Handwerksbetrieben. Dabei nutzt sie den unvoreingenommenen Blick der Teilnehmenden, die den Betrieben den viel beschworenen Blick über den Tellerrand des Tagesgeschäfts hinaus ermöglichen. Zudem erhalten sie auch tiefergehende Einblicke in die Unternehmen, die unter Umständen auf der Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger sind. Für die Betriebe ergibt sich so die exzellente Möglichkeit, Lösungsszenarien für spezifische Herausforderungen zu finden und schlussendlich auf diese Weise ihr Innovationspotential zu steigern.“

Bei der Ideation Week OWL handelt es sich um ein Lehrformat der Zukunft: Gesellschaftlich relevante Themen werden interdisziplinär, praxisnah und projektspezifisch bearbeitet. „Der Input der regionalen Handwerksbetriebe dient als Rahmen, um sich auf sehr konkrete Art und Weise den regionalen Auswirkungen eines globalen Themas anzunähern.“, weiß Prof. Dr. Josef Löffl als Leiter des Instituts für Wissenschaftsdialog zu berichten, das die Konzeption und die Organisation der Veranstaltungswoche verantwortet.

„Die Ideation Week OWL ist ein modernes Lehrformat. Das, was in der Praxis gebraucht wird und das, was in der Lehre vermittelt wird, fließt zusammen. In interdisziplinären Teams arbeiten Studierende mit dem Handwerk zusammen und somit befähigen wir nicht nur unsere Studierenden, wir befähigen auch das Handwerk, sich den Herausforderungen der Zukunft zuzuwenden und nicht nur Probleme zu sehen, sondern Lösungen zu schaffen“, sagt Hochschulpräsident Prof. Dr. Jürgen Krahl auf die Frage, was die Ideation Week OWL ausmacht und wodurch sie charakterisiert ist.

Text: Prof. Dr. Josef Löffl & Miriam Hanke    Fotos: Tina Antonia Rotermund

 

Forschungsumfrage: Wie arbeitest Du heute?
Institut für Wissenschaftsdialog (IWD) der TH OWL veröffentlicht Umfrage zu COVID-19

Oktober 2020

New Work: Wie Corona unsere Arbeit digitalisiert hat.

Mit der Covid-19-Pandemie haben zahlreiche Menschen ihr Büro nach Hause verlegt. Noch nie zuvor erledigten so viele Angestellte den Großteil ihrer Arbeit digital. Das Institut für Wissenschaftsdialog der TH OWL hat in einer Umfrage ermittelt, wie das unsere Art zu arbeiten und zu kommunizieren verändert hat.

Theresa Kellner und Tosca Albrecht haben als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen des Instituts für Wissenschaftsdialog der TH OWL unter Begleitung von Prof. Dr. Josef Löffl knapp 260 Beschäftigte gefragt, welche Erfahrungen sie in den Monaten von April bis Juni dieses Jahres im Homeoffice gemacht haben und welchen Einfluss das auf ihre Art zu arbeiten hatte. „Wir beschäftigten uns in unserem Team mit der Transformation der Arbeit. Und unsere Befragung hat gezeigt, dass die Corona-Erfahrungen unsere Arbeitswelt massiv verändern werden“, sagt Wissenschaftlerin Theresa Kellner, Die Untersuchung „Wie arbeitest Du heute“ ist eingebettet in das Regionale 2022-Projekt InnovationSPIN.

„Ein ganz wichtiges Plus der Arbeit in den eigenen vier Wänden war für die meisten Befragten die größere Flexibilität“, sagt Theresa Kellner. In der Mittagspause Sport statt Kantine oder nachmittags eine Stunde mit den Kindern spielen und dafür nach 20 Uhr nochmal an den Schreibtisch, das hat die Zeit im Homeoffice möglich gemacht. „Die Kehrseite ist für die meisten Befragten die Vermischung zwischen Beruf und Privatleben“, erklärt Kollegin Tosca Albrecht. Wer im Homeoffice arbeitet, muss sich stärker strukturieren. „Einige der Befragten haben sich sogar einen Timer gestellt, um regelmäßige Pausen zu machen und nicht im Dauerstress zu sein.“

Die Kommunikation hat sich durch die Zeit im Homeoffice stark ins Digitale verlagert. An die Stelle von  Präsenzmeetings und Flurgespräche traten Videokonferenzen und Mails. Knapp 70 Prozent der ProbandInnen haben im Zeitraum der Befragung mindestens einmal pro Tag an einer Videokonferenz teilgenommen.

Rund 46 Prozent der Befragten geben an, dass die Corona-Zeit die Anwendung von digitalen Tools deutlich verstärkt hat. Gleichzeitig bemängeln viele Beschäftigte, dass durch die digitale Kommunikation Informationen verloren gehen. „Mimik und Körpersprache sind ein wichtiger Bestandteil von Kommunikation und der wird in Video-Konferenzen nur bedingt übertragen“, erklärt Tosca Albrecht diese Wahrnehmung. Das hat nach Ansicht der Beschäftigten, die in der Studie befragt wurden, auch zu mehr Missverständnissen geführt. Zum Beispiel, wenn es darum ging, wie dringend etwas erledigt werden muss. Fast alle Befragten beklagen den fehlenden Austausch und informelle Gespräche, in denen man spontan Wissen und Ideen austauschen kann.

Wer längere Zeit ausschließlich im Homeoffice arbeitet, identifiziert sich tendenziell weniger mit dem eigenen Unternehmen, so das Ergebnis der Befragung. „Einige Probanden berichten von dem Gefühl, sich nicht mehr als Teil des Teams wahrgenommen zu fühlen“, sagt Tosca Albrecht. Die Befragten berichten, dass Feedback und Wertschätzung in der digitalen Welt sparsamer ausfallen als im normalen Büroalltag. Unternehmen, die Arbeit im Homeoffice organisieren, müssen für diesen sozialen Aspekt Routinen entwickeln.

„Ein Großteil der Befragten wünscht sich nach den Erfahrungen der vergangenen Monate eine Mischung aus Homeoffice und Arbeit im Büro“, fasst Theresa Kellner die Ergebnisse zusammen. „Homeoffice hat durch die Corona-Zeit ein deutlich besseres Image in den Unternehmen bekommen und gilt nicht mehr als unproduktiv oder Sonderregelung für berufstätige Mütter. Gleichzeitig sehen Beschäftigte auch die Vorteile des Büros als sozialer Treffpunkt, in dem spontane Gespräche und damit auch Innovationen entstehen.“

Alle Ergebnisse finden Sie hier.

Tosca Albrecht und Theresa Kellner haben in einer Umfrage ermittelt, wie die Covid-19-Pandemie unsere Art zu arbeiten verändert hat

 

Verantwortliche | InitiatorInnen
Die Erhebung vom Institut für Wissenschaftsdialog, durchgeführt von Prof. Dr. Josef Löffl, gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen Tosca Albrecht und Theresa Kellner ist im Rahmen des EFRE-Forschungsprojektes „InnovationSPIN – Neue Formen der Arbeit und des Lernens“ konzipiert. Ein Projekt gefördert von EFRE, vom Land NRW und der Europäischen Union.

Kontakt
Gerne können Sie das Forschungsteam bei Fragen und Anregungen zur Umfrage kontaktieren:
Tosca Albrecht      tosca.albrecht@th-owl.de
Theresa Kellner     theresa.kellner@th-owl.de